Der Europäische / Eurasische Grauwolf


Der Europäische / Eurasische Grauwolf

 

Der europäische Grauwolf Canis lupus lupus gehört zur Familie der hundeartigen und gilt als Stammvater des Haushundes (Canis lupus familiaris). Als Fleischfresser (Carnivore) ist er ein Raubtier, politisch korrekt wird er gerne „Beutegreifer“ genannt. Der Fachbegriff lautet „Prädator“. In diesem Fall „Spitzenprädator“, da in der Nahrungspyramide kein Tier über ihm steht. Wölfe gelten als die erfolgreichsten Großraubtiere der Welt, weil sie in enger Abstimmung im Team mit den anderen Rudelmitgliedern auf Beutefang gehen. Bären und die meisten Großkatzen sind hingegen Einzelgänger/-jäger.

 

Verbreitet war er früher über die gesamte Nordhalbkugel der Erde und wurde dann wegen der enormen Schäden an Viehbeständen auf ein Drittel seiner ursprünglichen Verbreitung zurückgedrängt. Die Berner Konvention stufte ihn  in den 1970er Jahren als gefährdet ein, wogegen die Weltnaturschutzunion IUCN schon 2002 seinen Status mit derzeit deutlich mehr als  18.000 Tieren in den EU Mitgliedsstaaten als nicht mehr gefährdet („least concern“) definierte. Inzwischen hat sich der Bestand wahrscheinlich mehr als verdoppelt, ohne den europäischen Teil Russlands, Weißrusslands und die Ukraine mit einzubeziehen. Der Genaustausch in diesen Ländern reicht sowohl westwärts nach Polen und in das Baltikum als auch ostwärts bis in den asiatischen Teil Russlands -bis Wladiwostok.

 

Wölfe leben gesellig in Rudeln in festen Revieren. Ein Rudel besteht aus einem Elternpaar, den diesjährigen, etwa 4-8 Welpen und den letztjährigen Jungwölfen. Dadurch kann ein Rudel, je nach Jahreszeit mehr als 10 Mitglieder haben.

 

Mit Eintritt der Geschlechtsreife im Alter von 11-22 Monaten wandern die Jungwölfe nach und nach ab. Dabei legen sie bis zu ca. 70 km pro Tag zurück. Sie suchen sich ein neues Revier - und einen Sexualpartner, mit dem sie ein neues Rudel gründen können. Die Reviergröße wird nach Auffassung einiger Wissenschaftler von der Verfügbarkeit der Beutetiere  bestimmt und beträgt bei unseren heutigen Wölfen ca. 100-150 km². Auffällig ist, dass laut historischen Quellen der ursprüngliche Wolf mit 600-2000 km² wesentlich größere Reviere besetzt.

 

Bei ihren Ernährungsgewohnheiten sind die Wölfe wenig wählerisch. Zwar bevorzugen sie  Schalenwild wie Rehe, Hirsche oder Wildschweinen dennoch als Nahrungsopportunist fressen sie  auch andere Säugetiere, Aas oder durchsuchen Müllkippen nach Verwertbarem. Sie nehmen sich die Nahrung, die für sie.am leichtesten verfügbar ist. So stehen auch Weidetiere wie Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde und Gatterwild auf ihrem Speiseplan, häufig die wenig achtsamen Jungtiere (Lämmer, Kälber). Erwachsene Wölfe fressen etwa 3-4 kg Fleisch am Tag und können sogar 10 kg auf einmal aufnehmen. Das mag eine Vorstellung davon geben, wie groß der Fleischbedarf eines ganzen Rudels ist.

 

Zahlen, Daten, Fakten…

 

Für Irritationen sorgt immer wieder das Ergebnis einer viel zitierten Studie aus der Lausitz. Dort wurde Wolfslosung mikroskopisch auf seine Bestandteile untersucht. Dabei wurde abgeleitet, dass nur ca. 1% der aufgenommenen Wolfsnahrung aus Weidetieren besteht. Leider liefert die Angabe von Zahlen, womöglich bis auf die Kommastelle genau, häufig den Anschein von hoher Präzision - und hält uns davon ab, nach den Randbedingungen zu fragen, unter denen das Ergebnis zustande gekommen ist. So auch hier: Zum einen ist zu bedenken, dass der Schwerpunkt der Studie in der frühen Wiederbesiedlung liegt. Die Wolfsreviere liegen in Sachsen meistens auf Truppenübungsplätzen oder Braunkohletagebaugebieten. Dort leben keine Weidetiere. Zum anderen vernachlässigt die Kotuntersuchung das von Tierhaltern gefürchtete „Surplus-Killing“, also das Töten im Übermaß, wobei nur ein kleiner Teil der Opfer gefressen wird. Ähnlich dem Fuchs im Hühnerstall, kommt es immer wieder vor, dass bei einem einzigen Wolfsangriff fünf, zehn oder gar 50 Weidetiere angefallen und getötet oder verletzt werden und nur eines davon angefressen wird. In freier Natur kann der größte Teil der Herde fliehen. Aber auf unseren hoch umzäunten Weiden wird ihnen hier ausgerechnet das, was als Schutz für unsere Tiere gedacht war zum Verhängnis. Solche Effekte werden beim Heranziehen von Kotuntersuchungen nicht berücksichtigt, sind aber für die Beurteilung des Ausmaßes an Schäden von größter Bedeutung. Aus anderen Ländern (Spanien, Portugal) weiß man, dort wo der Wildbestand von Natur aus nicht groß ist, Tiere wie Schafe, Ziegen, Rinder und besonders Kleinpferde mehr als 70 % des Beutespektrums ausmachen.

 

Herausforderungen für die Weidetierhalter

 

Die enorme Lernfähigkeit von Wölfen stellt uns Tierhalter vor gewaltige Herausforderungen. Nach fast 20 Jahren Wolf in Deutschland wissen wir, dass effektiver Herdenschutz weder bei uns noch in Nachbarländern funktioniert. Möglich ist es in den Ländern, wo 24 stündige Bewachung (mit einem Gewehr) mit „billigen“ Arbeitskräften und 5-10 Herdenschutzhunden betrieben wird. Zaunbauempfehlungen mit 90 cm Höhe (die Rückenhöhe von Wölfen beträgt 60-90 cm) sind ad absurdum geführt. In Niedersachsen gelten in einigen Gebieten  jetzt 1,40 m Zaunhöhe. Das heißt: Elektro-Knotengitterzäune oder mehrreihige Litzen und möglichst noch ein Untergrabeschutz vor dem Zaun. Versuchsreihen im Wolfscenter Dörverden haben bewiesen, dass Wolfshaare stromisolierende Eigenschaften haben, das heißt der Stromschlag wird so gut wie gar nicht wahrgenommen, insbesondere wenn Futter im Fokus steht. Wölfe sind schlau, uns immer einen Schritt voraus. Inzwischen werden selbst über Zäune gespannte Flatterbänder überwunden, welche als das Non-plus-Ultra galten. Die Wölfe entwickeln neue Techniken, um selbst erwachsene Rinder (400-650 kg Lebendgewicht) zu überwältigen. Im Raum Cuxhaven treiben sie diese in einen Graben oder auf eine moorige Fläche, wo die Rinder erschöpft stecken bleiben und bei lebendigem Leibe gefressen werden.

 

Tiere verweigern nach einem Angriff das Fressen. Sie sind traumatisiert und sie trauern auch, um ihre Jungtiere oder Weidegenossen. Auch Tiere pflegen Freundschaften. Manche Tiere verlieren ihre Föten in Folge eines Angriffs. Das beides ist für uns Tierhalter neben dem finanziellen Verlust, eine besonders schwere Belastung, denn jeder hat eine emotionale Bindung zu seinen Tieren und ist für ihr Wohl verantwortlich. Sie so schwer leiden zu sehen, mit tiefen Fleischwunden, ist unerträglich. Die Praxis mit fast 20 Jahren Wolf zeigt deutlich, dass es neben toten auch sehr viele verletzte Tiere gibt, und ein Kehlbiss bedeutet keineswegs einen sekundenschnellen Tod, wie es das Tierschutzgesetz bei der Schlachtung von Tieren vorschreibt.

 

Als weitere Schutzmaßnahmen werden Herdenschutzesel und –hunde empfohlen. Aber auch diese erweisen sich zum Teil als stumpfes Schwert oder fallen selbst den Wölfen zum Opfer. Zudem sind weder umfassende Zaunbaumaßnahmen mit 2 m Höhe als Festzaun  noch die Haltung aggressiver Hunderassen überall erlaubt oder sinnvoll. Zudem ist das verbellen der Herdenschutzhunde in Siedlungsbereichen über kurz oder lang ein Problem. Menschen verklagen Kuhhalter, weil Kuhglocken in der Nacht erklingen und die Nachtruhe stören oder sie verklagen den Nachbarn, dessen Hahn früh morgens die Nacht zum Tag erweckt. Herdenschutzhunde sind für Truppenübungsplätze und entlegene Naturschutzgebiete sicherlich eine gute Ergänzung, in der breiten Fläche ganz sicher nicht.

 

Die Schafhalter sind Idealisten, sonst hätten sie nach den großen Krisen wie Tschernobyl, dem Preisverfall nach der Wiedervereinigung oder nach BSE/Scrapie Krise längst aufgegeben. Die arbeitswirtschaftliche Belastung mit 365 Tagen – ohne Urlaub und 8-10  Stunden täglich – bei einem Stundenlohn im Bereich des Mindestlohnes - ist auch ohne den Wolf erreicht. Viele Schafbetriebe sind in der 4. Generation Schäfer, haben den Beruf gelernt, bilden Lehrlinge aus und haben sich weiterentwickelt. Betriebswirtschaftlich stellen vereinzelte Wolfsangriffe den Schafhalter nicht vor die Existenzfrage. Das Problem ist die nach oben offene Spirale des Herdenschutzes die körperlich und zeitlich nicht gewährleistet werden kann und die Angst, dass die Schafe nachts auf Straßen, Autobahnen oder Bahngleise getrieben werden und andere Menschen zu Schaden kommen könnten. Hinzu kommt das staatlich auferlegte Wettrüsten: Das Tierschutzgesetz besagt, man müsse die Schafe effektiv vor Beutegreifern schützen. Wer das nicht macht, kann mit empfindlichen Cross Compliance Sanktionen belegt und zusätzlich mit Bußgeldern und / oder Strafanzeigen abgestraft werden. Niemand möchte den Eintrag einer Vorstrafe in einem Führungszeugnis riskieren.

 

Alles wirklich „reine“ Wölfe?

 

Den Artenschützern geht es darum, den unverfälschten Canis lupus lupus zu einer stärkeren Verbreitung zu verhelfen. Aber die Gerüchte um „Mischlingswölfe“ mit anderen Wolfsunterarten oder Hunden reißen nicht ab. Foto- und Filmhinweise gibt es reichlich. In Frankreich und der Schweiz gibt es erste Belege dafür. Eine kraniologische (Schädel-) Untersuchung durch Wissenschaftler der sächsischen Wolfsschädelsammlung kam jüngst zu dem Ergebnis das es sich um Hybriden handelt genauso wie einige internationale Wolfswissenschaftler. Auch genetische Untersuchungen eines Hamburger Forensik-Genlabors fanden hohe Hundeanteile in den untersuchten Proben. Eine unabhängige Untersuchung internationaler Wolfswissenschaftler ist längst überfällig, bevor wir die Weidetierhaltung aufgeben und noch mehr Leid von Tieren in Kauf nehmen müssen.

 

Fazit

 

Stellt man den immensen Aufwand hinsichtlich Arbeitseinsatz, Kosten und emotionaler Belastung der Weidetierhalter sowie die Einschränkung der Bürger bei ihren Outdoor-Aktivitäten dem Gewinn für den Artenschutz gegenüber, so kommt unweigerlich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit auf. Das alles für eine Art die europaweit in ihrem Bestand keinesfalls mehr gefährdet ist. Wir hingegen sagen: Es darf nicht passieren, dass Weidetierhaltung, nicht mehr möglich ist und ganze Landstriche sowohl ökonomisch als auch ökologisch wertlos gemacht werden.


Das Aktionsbündnis Forum Natur (AFN) hat im Januar 2019 einen sehr ausführlichen "Handlungsvorschlag für ein praxisorientiertes Wolfsmanagement in der Kulturlandschaft Deutschland" vorgelegt.

 
https://www.jawina.de/woelfe-verbaende-fordern-schutzjagd-nach-skandinavischem-vorbild
 
Mit großen Erwartungen haben wir von dieser Arbeit Kenntnis genommen und sind am Ende doch sehr enttäuscht.
 
Leider ist der Handlungsvorschlag so wenig praktisch nutzbar wie die Wolfsmanagements der Bundesländer. In der Analyse gibt es allerdings einige bemerkenswerte Lichtblicke.
 
Diese im Bündnis vereinten Organisationen und Verbände sind a priori nicht in der Lage zum Thema Wölfe qualitative und quantitative Aussagen zu treffen. Es fehlen
1. Die Vereinigung Deutscher Landesschaf- und Ziegenzuchtverbände und der Förderverein der Deutschen Schafhaltung.
2. Die Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung. Das wiegt schwer.
Wenn man mit diesen Organisationen keine gemeinsame Sprache gefunden hat, dann sollte man eine Veröffentlichung zu diesem Thema unterlassen. Auch der Name des Bündnisses ist nun zu hinterfragen.
 
An den Anfang der Kritik muss unbedingt der Dissens zu den Rechtsvorschriften stehen. Hier unterscheiden wir uns wie Feuer und Wasser.
Um sich nicht in den einzelnen Gesetzen zu verlieren ist nur zu sagen, dass die Weidetierhalter sich nicht mit den Wölfen arrangieren wollen und auf Dauer auch nicht können, sondern Wölfe in Deutschland grundsätzlich ablehnen - ausgehend von der Binsenweisheit
 
"Deutschland braucht keine Wölfe und die Wölfe brauchen Deutschland nicht."
 
Nur die NGO´s brauchen die Wölfe für ihre Spenden.
Ein im Text genannter "Gesellschaftlicher Wunsch nach Wölfen" ist eine Fiktion. Menschen ohne Faktenwissen repräsentieren nicht die Gesellschaft.
 
Begründung:
1.In der Kulturlandschaft übt der Mensch wichtige Funktionen der Wölfe aus. In Mitteleuropa sind Wölfe in Ökologie und Ökonomie schädlich.
2.Eurasische Wölfe sind und waren nie vom Aussterben bedroht.
 
Die Gesetze zum Schutz der Großräuber wurden über die Köpfe der Weidetierhalter hinweg initiiert. Kein Gesetzgeber hat die Weidetierhalter jemals einbezogen.
 
Der nächste Schwachpunkt ist die völlige Unterschätzung des Problems "Hybridisation" in seinen vielfältigen Dimensionen. Die Aussagen von in staatichem Auftrag arbeitenden deutschen Laboren auf diesem Gebiet entsprechen nicht den Tatsachen, weil sie kein Vergleichs-Genmaterial von "echten" Wölfen haben.
Es ist bekannt, dass die Hybridisation dort besonders schnell vorangeht, wo Wolfspopulationen den menschlichen Siedlungen nahe sind. Russische Wissenschaftlern stellen einen hohen Grad der Hybridisation in Europa fest. Wölfe in Mitteleuropa und Deutschland unterliegen einem besonders hohen Hybridationsdruck.
 
Hybridisation in dieser Breite bedeutet Vernichtung der Art Canis lupus lupus. Das als Wolfsschutz angelegte Vorhaben bewirkt in Deutschland tatsächlich das Gegenteil. Das ist eine Katastrophe.
 
Eine potentielle große Masse von Wolfshybriden könnte die verbliebenen "echten" Wölfe im Norden und Osten Eurasiens, die es zu schützen gilt, ebenfalls zu Hybriden machen. Das muss verhindert werden.
 
Reine Theorie ist der Vorschlag für Wolfsschutzgebiete, Wolfsmanagementgebiete und Wolfsausschlussgebiete. Das Gezerre über die Einordnung einer Landschaft in das eine oder andere Gebiet könnte Jahre dauern und die Gerichte strapazieren. Die Wölfe kennen keine Grenzen. Nichts treibt einen Jäger an, an der im Text genannten "Schutzjagd" teilzunehmen, einer Sisyphusarbeit ohne sichtbare Erfolge und ohne Ende. Nur gute Prämien für jeden geschossenen Wolf könnten helfen.
 
Es ist festzuhalten, der in Verkennung der ökologischen und ökonomischen Tatsachen, aber sicher mit guten Vorsätzen gestartete Wolfsschutz in Mitteleuropa ist nun nach 18 Jahren Praxis grandios gescheitert. Das Aktionsbündnis versucht einen Toten wieder zu erwecken.
 
Der vorliegende Handlungsvorschlag ist nun nicht ganz wertlos. Die meisten Analysen darin sind wichtig, aber oft auch nicht neu. Wenn wir derzeit mit etwa 1.000 Wölfen rechnen und in 2,5 Jahren die doppelte Zahl haben können, hätte man doch sagen müssen wie diese Wolfsflut eingedämmt und reduziert werden kann. Geht das noch auf weidmännische Art? Wohl kaum. Die Beantwortung dieser wichtigen Frage hätte man in dieser jäger-dominierten Dokumentation erwarten können.
Vielmehr würde die Umsetzung der genannten "Wünschenswerten rechtlichen Regelungen" in die Jagdpraxis wohl viele Jahre dauern. Bis dahin hätten die Großraubtiere schon die Herrschaft über Deutschland errungen.
 
Wann werden wir Weidetierhalter endlich einmal von der Legislative und Exekutive unterstützt werden?

Wolfsattacken: Schäfer sehen Bewaffnung als letzte Option – weil der Staat versagt

 

Winsen, 30. August 2018. Weil die Wolfsschäden an ihren Herden immer dramatischere Ausmaße annehmen, ließen die Berufsschäfer in Deutschland nichts unversucht, um die politischen Entscheidungsträger zur Abkehr von ihrer „Pro-Wolf-Haltung“ zu bewegen. Doch alle Gespräche, Memoranden und Aktionen erwiesen sich bisher als wirkungslos. In der Selbstbewaffnung sehen einige von ihnen nun die letzte Chance für einen effektiven Herdenschutz – einer davon ist Wendelin Schmücker, Schäfer aus Winsen an der Luhe in Niedersachsen.

 

„Wir fühlen uns vom Staat im Stich gelassen – viele weidewirtschaftliche Betriebe stehen inzwischen vor dem Aus“, erklärt Wendelin Schmücker. Beim Landkreis Harburg hat er beantragt, dass er eine Waffe erwerben, mit sich führen und gegen Wölfe einsetzen darf. „Ich bin nicht mehr bereit, tatenlos zuzuschauen. Nur durch den Einsatz von Waffen wird der Wolf lernen, dass Weidetiere unter menschlichem Schutz stehen – und dass es besser für ihn ist, Abstand zu halten.“

 

„Schafe leben in ständiger Angst“

 

Ein Problem bei den Wolfsattacken seien nicht nur die sichtbaren Schäden in Form von Wolfsriss: „Nach einem Wolfsübergriff ist eine Herde lange traumatisiert. Bei jeder Kleinigkeit schrecken die Tiere auf – sie haben panische Angst, und in der Nacht brechen sie nicht selten aus. Der Stress und die Unruhe führen zu weniger Lammgeburten und einer geringeren Gewichtszunahme. Hieraus resultiert im Wesentlichen die Existenzbedrohung für die Weidewirtschaft.“

 

Den formellen Waffenschein-Antrag wird Schmücker noch in dieser Woche stellen, und viele andere Schäfer könnten seinem Beispiel folgen. Schüsse sollen dabei in erster Linie Wölfe vergrämen, die sich den Weidetierbeständen bis auf wenige hundert Metern nähern. Nach wir vor sieht Schmücker jedoch den Staat in der Pflicht: „Die Planung und Organisation effizienter Vergrämungsmaßnahmen steht hier an erster Stelle – bis hin zur letalen Entnahme von Wölfen.“

 

Über Wendelin Schmücker

 

Wendelin Schmücker entstammt einer traditionsreichen Schäferfamilie, die seit drei Jahrhunderten die Schafzucht ausübt. Der Gesamttierbestand der Familie beträgt etwa tausend Schafe und Lämmer, die in Teilherden auf unterschiedlichen Weideflächen stehen.