Wölfe und Kulturlandschaft?

Die Menschen in der Weidewirtschaft sind die eigentlichen Verlierer. Viele Menschen auf dem Land sehen die Wölfe skeptisch, aber niemand ist so unmittelbar und existenziell betroffen wie wir  Weidetierhalter.

Plädoyer für  die Erhaltung der  Weidewirtschaft

 

(34 europäische Wissenschaftler als Unterzeichner. Original in Französisch vom Okt. 2014)

 

Unsere typischen Landschaften mit Bergen, Hügeln, Heckenlandschaften und Sümpfen bestehen aus einem Mosaik von Territorien, in denen über Jahrhunderte die landwirtschaftlichen Aktivitäten dominierten. Die Schönheit und Vitalität dieser Lebensräume, zunehmend von unserer urbanisierten Gesellschaft geschätzt, wird aber rapide entwertet, wenn sie nicht mehr durch das Weiden der Herden gepflegt werden. In vielen Regionen leiden die Herden unter den Angriffen der Wölfe. Was kann man tun?

 

Der Ernst der Lage erfordert  Sofortmaßnahmen, sowohl in der Praxis vor Ort als auch in der Gesetzgebung. Wölfe sind in Europa. als aussterbende Art klassifiziert und somit streng geschützt. In den weiten Landschaften Nordamerikas und Eurasiens gelten sie als "Schlüsselarten" natürlicher Ökosysteme, Bio-Indikator einer gesunden Wildnis, die entweder erhalten geblieben ist oder wieder hergestellt wurde. In Frankreich, wo Geographie und Geschichte völlig anders sind, zeigen die Wölfe ihr opportunistisches Verhalten. Sie „regulieren“ nicht mehr die schwachen und kranken Wildtiere, sondern greifen gesunde Herden domestizierter Weidetiere an.

 

Paradoxerweise sind es die Wölfe, gesichert durch ihren spezifischen Schutzstatus, die eine Bedrohung darstellen für die Weidetierhaltung, welche unter allen landwirtschaftlichen Aktivitäten eine der anerkanntesten für die Erhaltung der Artenvielfalt ist und die eine Vielzahl von Ökosystemdienstleistungen erbringt.

 

Seit 1992 bemüht sich die europäische Politik, natürliche landwirtschaftliche Gebiete zu fördern, welche der Vereinheitlichung und Künstlichkeit der konventionellen Landwirtschaft widerstanden haben und einen Ausgleich dazu bilden. In der Tat haben einige außergewöhnliche Arten dort Zuflucht gefunden: Steinhuhn, Rebhuhn, Steinböcke, Bartgeier und andere.

 

Die Aktivitäten der Weidewirtschaft führen zum Erhalt von kleinteiligen Wiesenflächen, Heideland und Waldwiesen und bieten und erneuern damit ständig eine breite Palette von Vorzügen für diejenigen, die blühende Pflanzen, Insekten, Reptilien und Niederwild zu schätzen wissen. Diese Artenvielfalt betrifft auch Haustiere, wie die Raïoles-, Brigasques- und Mourerous-Schafe und die Rove- und Poitou-Ziegen. Die Landwirte bemühen sich darum, sie zu erhalten. Sowohl innerhalb und außerhalb der nationalen und regionalen Parks und Schutzgebiete als auch in der gewöhnlichen Natur ist die Erhaltung der Wild- und Haustier-Biodiversität ein und derselbe Kampf.

 

Das Wolfsproblem ist zu einer Herausforderung mit nationalem Charakter geworden. Überall schon in den Alpen etabliert, haben die Wölfe darüber hinaus den Jura, die Vogesen, den Osten der Pyrenäen, sowie die Ardéche, die Loire, Cantal und Aveyron und die Ebenen der Regionen Champagne und Lorraine erreicht.

 

 Im Jahr 2014 zeigt die offizielle Zählung siebenundzwanzig Wolfrudel, zwei Drittel von ihnen in den südlichen Alpen. Der Wolfsbestand zählt heute ca.300 erwachsene Tiere in mehr als zwanzig französischen Departements, mit einem jährlichen Wachstum von 20%.

 

Jedes Jahr beliefen sich die Verluste pro erwachsenen Wolf durchschnittlich auf zwanzig bis fünfundzwanzig getötete Schafe oder Ziegen, was sehr beträchtlich ist.

 

Diese Angriffe haben sich inzwischen auf Kälber, Kühe und Pferde ausgeweitet. Wolfsangriffe ereignen sich auf den Weiden der Hochgebirge ebenso wie der Gebirgsausläufer, aber auch am Fuß der Berge, in Sumpflandschaften, Unterholz und sogar auf den Wiesen und Feldern in Ortsnähe.

 

Wie sind wir in diese Situation gekommen? Soll man die zunehmende Anhäufung von Schäden der Trägheit der Bauern zuschreiben? Dies wäre für sie eine schwere und unverdiente Beleidigung. Seit 1994 wurden den Bauern und den Hirten Schutzmaßnahmen vorgeschlagen. Sie haben sie umgesetzt. In den Alpen hat man mehr als zweitausend Schutzhunde eingesetzt. So weit wie möglich verhielten sich die Hirten  passiv gegen Wölfe und jeden Abend haben sie ihre Herden in elektrifizierte Pferche zurückgeführt. Die Helfer der Hirten  haben zudem die Nachtwachen verstärkt.

 

Haben sich diese Maßnahmen als wirksam erwiesen? Es gab eine Atempause zwischen 2006 und 2009. Aber seither funktioniert nichts mehr! Trotz erhöhter Schutzmaßnahmen haben sich die Verluste in vier Jahren verdoppelt. Bauern und Hirten haben ihre Tätigkeit den Wölfen angepasst, aber auch die Wölfe haben ihr Verhalten geändert. Selbst in Gegenwart von Schutzhunden greifen die Wölfe an, nicht mehr nur in der Nacht, sondern auch am Tag. Noch beunruhigender ist die Tatsache, dass die Anwesenheit von Menschen sie nicht mehr abschreckt. Die Wölfe haben bemerkt, dass sie privilegiert geschützt sind, so dass sie ihre Attacken ohne Risiko wiederholen können, auch in der Nähe von Straßen und Siedlungen. Diese Änderung im Verhalten war absehbar.

 

Aus den Vereinigten Staaten weiß man seit längerer Zeit, dass in den und in der Nähe der Nationalparks Ranger täglich gegen die negativen Auswirkungen des Totalschutzes einiger Tierarten kämpfen.  Die Förderung von Großraubtieren und  die Bewahrung ihres natürlichen Verhaltens erfordert heutzutage eine aufmerksame und sogar energische Intervention.

Es ist unzweifelhaft zu erkennen: Die sehr aufwendigen Schutzmaßnahmen haben in nur wenigen Jahren ihre Schutzwirkung verloren. Mehrere ergänzende Techniken, die vorgeschlagen wurden, wie Fackeln, Ultraschallgeneratoren, lärmende Drohnen und anderes, erschrecken eher die Schafe als die Raubtiere. Wölfe sind intelligent und erfinderisch.

Die europäische Strategie der Koexistenz der weidewirtschaftlichen Tätigkeiten mit diesem  Raubtier ist gescheitert und muss neu diskutiert werden. Zusätzlich zu den finanziellen Kosten müssen menschliche und ökologische Belange verstärkt berücksichtigt werden.

Frankreich hat sich bei der UNESCO verpflichtet, die Kulturlandschaften der Causses und der Cevennen zu schützen, welche als Weltkulturerbe der Menschheit gelistet sind. In den Cevennen, wie überall in den Territorien, wird  der Abzug der weidewirtschaftlichen Tätigkeiten zur Verbuschung der Landschaft, also zum Verlust von Lebensräumen und damit zum Verlust geschützter Arten führen. Das bedeutet nicht den Ruf nach Stillstand, denn die Landschaften leben und ihre Hauptdarsteller haben nie aufgehört sich weiterzuentwickeln.

Einige Verbände, welche bislang die Koexistenz vertretenen haben, rufen nun nach dem Rückzug der Weidewirtschaft. Aber unser Land ist nicht vergleichbar mit der Größe, der Bevölkerungsdichte und der Situation von Wyoming oder  Montana in den USA.

Bauern und Hirten in Frankreich verdienen es nicht, disqualifiziert bzw. enteignet zu werden. Diese Männer und Frauen achten leidenschaftlich auf die lebendige Natur und sind engagiert in sehr anspruchsvollen Tätigkeiten mit jedoch nur bescheidenem Einkommen.

 

Bleibt uns noch genügend Zeit, eine Zukunft für diese Landschaften zu gestalten? Wollen wir die Ausgrenzung und Marginalisierung von Landwirten, die sehr bemüht sind, lokale Qualitätsprodukte herzustellen und zugleich abwechslungsreiche und ansprechende Landschaften zu erhalten? Kann man überhaupt Wölfe dazu bringen, wild zu bleiben und ihnen vorschreiben, die nötige Distanz zur Nutztierwirtschaft zu halten?

 

Unsere Gesellschaft braucht gesunde Ökosysteme und vielfältige Landschaften!

Viele funktionieren aber nur dank der sorgfältigen Arbeit der Hirten und Bauern.

Die für Sie unhaltbar werdende Situation ist im Begriff, den außerordentlichen Wert

dieses Reichtums an Ökosystemen und Landschaften durch die Wölfe zu verlieren.

Dies erfordert ein Umdenken des gesamten Konzeptes für die Zukunft. Leider ist es

schon sehr spät. Aber vielleicht ist es noch nicht zu spät.

 

Was Artenschützer meist mit Freude sehen, treibt Deutschlands Schäfer mittlerweile auf die Barrikaden: Seit der Rückkehr von Isegrimm und dessen rasanter Vermehrung kommt es immer häufiger zu Übergriffen und gravierenderen Schäden - nicht nur bei Schafbeständen – inzwischen sorgen sich vorausschauende Weidetierhalter um ihre Rinder und auch um ihre Pferde. Manche bangen gar um ihre Existenz.
In einem dicht besiedelten Land wie Deutschland bezeichnen dies einige freimütig als großflächigen Freilandversuch!

Mehr möchten wir zur Zeit hier nicht kundtun. Eine tägliche Aktualisierung mit ständigen Neuigkeiten ist ein Vollzeitjob!

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